1. Mai – „Tag der Arbeit“

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2024-04-30 17:58:00 / Tipps / Kommentare 0
1. Mai – „Tag der Arbeit“ - 1. Mai – „Tag der Arbeit“




Der erste Mai, international als „Tag der Arbeit“ bekannt, ist einer von nur zwei nichtreligiösen offiziellen Feiertagen in Deutschland. Wenig bekannt und verdrängt sind die Ursprünge dieses Tages, an dem vor allem Gewerkschaften und linke Parteien Werte wie Arbeitnehmer-Solidarität würdigen, vor allem aber die Errungenschaften der Arbeiterbewegungen, denen bittere Kämpfe vorangegangen waren. „Kampftag der Arbeiterbewegung“ wird der Feiertag deswegen auch genannt.

Revolutionärer Ursprung – „Haymarket Riots“

Das steht in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen um den 1. Mai 1886 in den USA. Die amerikanischen Gewerkschaften konnten an diesem Tag weite Teile der Arbeiterschaft zu einem mehrtägigen Generalstreik und Kundgebungen mobilisieren, mit denen sie die Einführung des Achtstundentages erzwingen wollten. Während einer dieser Demonstrationen hielt der deutschstämmige Verleger und Anarchist August Spies eine aufpeitschende Rede auf dem Chicagoer Haymarket. Die Polizei versuchte vergeblich, die Versammlung gewaltsam aufzulösen, wobei sie sechs demonstrierende Arbeiter erschoss. Dennoch blieb die Lage vergleichsweise ruhig, bis am Folgetag auf dem Haymarket, wo erneut Tausende demonstrierten, eine Bombe zwölf Menschen tötete, darunter sechs Polizisten. Wieder eröffnete die Polizei das Feuer, und noch mehr Menschen starben oder wurden verletzt - wieviel genau, ist nicht überliefert. Obwohl es keinerlei Beweise für ihre Beteiligung gab, wurden Spies und andere Organisatoren der Demonstrationen mit juristisch äußerst fragwürdiger Begründung zum Tode verurteilt. August Spies und drei weitere Verurteilte wurden gehängt, ein fünfter beging in der Todeszelle Selbstmord.


 

Gedenk- und Kampftag der Arbeiterbewegung

Das „Haymarket Massacre“ und die darauffolgenden Justizmorde wurden zum Fanal für die Arbeiterbewegung, weit über die Grenzen der USA hinaus. 1889 beschloss die Zweite Internationale, ein länderübergreifender Zusammenschluss von Gewerkschaften und Arbeiterparteien, den Tag in Erinnerung an die Chicagoer Ereignisse zum Gedenk- und Kampftag der Arbeiterbewegung auszurufen. Seitdem kommt es am 1. Mai immer wieder zu Streiks und „Maispaziergängen“, wie die Demonstrationen im deutschen Kaiserreich genannt werden, um staatliche Repressionen zu umgehen. Nach der Novemberrevolution von 1918 wurde die SPD in der entstehenden Weimarer Republik erstmals Regierungspartei. Ihre Versuche, den polarisierenden Arbeiter-Kampftag zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen, waren allerdings nur von begrenztem Erfolg. Immerhin aber für das Jahr 1919 konnten sich die Sozialdemokraten durchsetzen.

Politische Gewalt in der Weimarer Republik

Allgemein waren die politischen Verhältnisse in der von verschiedenen Krisen geschüttelten Weimarer Republik nur selten stabil. Mit einigem Recht kann man die damalige deutsche Gesellschaft als Klassengesellschaft bezeichnen, in denen sich Arbeiter und Arbeitnehmer sowie politische Bewegungen unversöhnlich gegenüberstanden. Politische Parteien unterhielten paramilitärische Kampfverbände; als am brutalsten galt die SA der Nationalsozialisten (NSDAP), die sich vor allem mit der kommunistischen KPD regelrechte Saal- und Straßenschlachten lieferte – oft mit tödlichem Ausgang. Aus diesem Grund waren Demonstrationen zum 1. Mai ab 1924 verboten.

Deutsches Pendant zu 1886: der „Blutmai“ von 1929

Angesichts des Chaos ist es schon fast verwunderlich, dass es bis 1929 dauern sollte, bis auch Deutschland sein „Haymarket Massacre“ erleben würde: Trotz, oder besser gesagt: gerade wegen des staatlichen Verbots hatte die KPD zum 1. Mai zu Demonstrationen aufgerufen. Einerseits strebte die extreme deutsche Linke ebenso wie die NSDAP den Sturz der demokratischen Ordnung an und forderte den Staat bei jeder sich bietenden Gelegenheit heraus. Andererseits war die Arbeiterbewegung gespalten in einen revolutionären Teil, den die KPD verkörperte, und einen reformistischen, für den die SPD stand. Da die Sozialdemokraten an der Reichsregierung beteiligt war und zudem in Berlin den Polizeipräsidenten stellte, bot sich aus Sicht der Kommunisten die Chance, zusätzlich die verhassten Konkurrenten als „Arbeiterverräter“ vorzuführen.


 

Bereits am Vorabend des 1. Mai hatte es mehrere Übergriffe von Kampforganisationen der KPD auf Berliner Polizisten gegeben. Zudem verbreiteten ihre Presseorgane, die Falschmeldung, in Berlin sei das Demonstrationsverbot aufgehoben worden. Das traf zwar für andere Reichsteile zu, nicht aber für die Hauptstadt. In der aufgeheizten Stimmung griff die Berliner Polizei mit aller Härte gegen die verbotenen Demonstrationen durch - unterschiedslos gegen Teilnehmer oder wen sie lediglich als solche einstufte. Die Bilanz von fünf Tagen Unruhen waren 33 Tote und zahlreiche Verletzte. Unter den Opfern waren auch mehrere völlig Unbeteiligte. Damit hatte die KPD die von ihr gewünschte Eskalation erreicht. Zwar war die erhoffte Massenmobilisierung ausgeblieben, aber die kommunistische Propaganda konnte fortan mit Kampfbegriffen wie „Blutmai“ gegen SPD und Reichsregierung agitieren.

Vereinnahmung des 1. Mai im Dritten Reich

Zu einem kommunistischen Umsturz kam es in Deutschland bekanntlich nicht. Stattdessen errichteten die Nationalsozialisten mit ihrem Führer Adolf Hitler an der Spitze ab Januar 1933 eine Diktatur, die sie das „Dritte Reich“ nannten. Den nie ganz geklärten Brand des Reichstagsgebäudes benutzten die neuen Machthaber, um nur einen Monat nach ihrer Machtübernahme unter anderem, um Institutionen der Arbeiterbewegung zu zerschlagen. Linke Parteien, Gewerkschaften und Streiks wurden verboten. Um die deutschen Arbeiter für sich zu vereinnahmen, machten die Nazis den 1. Mai erstmals in ganz Deutschland zu einem durchgängigen gesetzlichen Feiertag. Dabei dürfte aber nicht nur Machtkalkül eine Rolle gespielt haben, denn als nationalsozialistische Arbeiterpartei propagierte die NSDAP das Ende der Standesunterschiede und betonte die Gleichheit der deutschen „Volksgenossen“. Wohlgemerkt nur unter diesen, denn die meisten anderen Völker und Ethnien waren in ihrer rassistischen Ideologie mitnichten gleichrangig. Hitlers Pläne sahen Unterwerfung, Ausbeutung und sogar Ausrottung für Menschen vor, die er als minderwertig betrachtete. Dieses Gedankengut führte schließlich u.a. zu einem zweiten Weltkrieg und unfassbare Menschheitsverbrechen.

Nach dem Krieg: Unterschiedliche Deutungen in Ost und West

Nach zwölf Jahren war der Nazi-Spuk Mitte 1945 vorbei, halb Europa lag in Trümmern und Deutschland wurde von den Siegern des Krieges besetzt und in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die jeweiligen Militärgouverneure waren zum Alliierten Kontrollrat zusammengeschlossen, die den 1. Mai als Feiertag bestätigten, wenngleich mit eingeschränktem Demonstrationsrecht. Aus den westlichen Besatzungszonen ging 1949 die BRD hervor, aus der östlichen, sowjetischen, die DDR, die nur scheinbar demokratisch, in Wirklichkeit aber eine sozialistische Diktatur nach sowjetischem Vorbild war.

Der 1. Mai blieb auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze ein Feiertag, wenngleich mit unterschiedlichen Deutungen. In der DDR dienten die aufwändigen Erster-Mai-Paraden in erster Linie als Machtdemonstration der herrschenden Sozialistischen Einheitspartei und zum Beweis ihrer Herrschaftslegitimität. Im Westen blieb der 1. Mai dagegen im Grunde das, was er schon immer war: Der Tag, an dem die Gewerkschaften mit Massendemonstrationen ihre Muskeln zeigen und auf ihre tarifpolitischen Forderungen und Anliegen öffentlichkeitswirksam aufmerksam machen können. Als arbeitsfreier Feiertag hat der 1. Mai viel von seinem früheren Kampf-Charakter verloren, was auch mit zur Entpolarisierung der deutschen Gesellschaft mit beigetragen haben mag: Wer an den traditionellen Gewerkschafts-Kundgebungen teilnehmen möchte, muss nicht mehr die Arbeit niederlegen und streiken. Wer ohnehin nicht teilnehmen will, freut sich einfach über einen arbeitsfreien Tag, den er bei gutem Wetter für einen „Maispaziergang“ ohne politischen Hintergedanken nutzen kann oder auf ein Picknick mit der Familie. (In eigener Sache: Utensilien dazu gibt es hier.)

Abnehmende Militanz

Zwar kam es in der Bundesrepublik bis in die jüngste Vergangenheit rund um den 1. Mai immer wieder zu Randalen. Die örtlich begrenzten Ausschreitungen erreichten aber zu keiner Zeit Ausmaß und Tragweite wie die geschilderten historischen Ereignisse. Beteiligt ist nur eine kleine Minderheit gewaltbereiter Autonomer und „erlebnisorientierter“ junger Leute, denen es oftmals mehr um die „Action“ geht als um politische Ziele. Ein größeres Mobilisierungspotential für eine Revolution bestand jedoch seit der Nachkriegszeit zu keinem Zeitpunkt mehr, nicht zuletzt auch aufgrund des immer größer gewordenen ideologischen Abstands der revolutionären Linken zur Mehrheitsbevölkerung. Auf der Gegenseite ist die Staatsmacht in den letzten Jahren deutlich darauf bedacht, Provokationen zu vermeiden, die als Anlass zur Eskalation dienen könnten.

Wünschen wir uns Allen einen friedlichen und schönen 1. Mai!